Das Zusammenleben am Lend- und Marienplatz

  • Welche Personengruppen lassen sich bei der Nutzung der Kunstinstallationen am Lendplatz und am Marienplatz unterscheiden?
  • Inwiefern werden die Kunstinstallationen des Projekts am Lendplatz und am Marienplatz als Bereicherung des sozialen Zusammenlebens wahrgenommen?

Problemstellung

Als Ausgangssituation dieser Forschung dient das Kunstprojekt „Die Schule des Wir“ des Kunstvereins . Das Projekt verfolgt das Ziel, das Zusammenleben und das interaktive Miteinander der Stadtbewohnerinnen im Grazer Annenviertel zu fördern. Unter diesem Gesichtspunkt setzte sich der Fokus der Forschung auf die Wahrnehmung der beiden unstobjekte am Lend- und Marienplatz durch die Nutzerinnen. Des Weiteren wird untersucht, welche Disparitäten zwischen den Personen, die sich direkt oder im Umfeld der Kunstobjekte aufhalten, mitgestalten und in Interaktion
treten, festzustellen sind.

Forschungsfragen

  1. Welche Personengruppen lassen sich bei der Nutzung der Kunstinstallationen am
    Lendplatz und am Marienplatz unterscheiden?
  2. Inwiefern werden die Kunstinstallationen des Projekts am Lendplatz und am Marienplatz
    als Bereicherung des sozialen Zusammenlebens wahrgenommen?

Methodik

Für die Untersuchung sind eine quantitative Befragung und eine nicht-teilnehmende Beobachtung am Lend- und Marienplatz durchgeführt worden.
Der Fragebogen wurde an Personen, welche sich direkt beim oder in unmittellbarer Nähe zum Kunstobjekt aufhielten, ausgeteilt. Insgesamt haben 71 Personen an der Befragung teilgenommen. Mit Hilfe der Programme IBM SPSS Statistics und Microsft Excel wurde eine Clusteranalyse für die Auswertung der gesammelten Daten durchgeführt.
Bei der nicht-teilnehmenden Beobachtung ist die Nutzung der Kunstobjekte beobachtet und ein Beobachtungsprotokoll angefertigt worden. Die Beobachtungen fanden an fünf verschiedenen Tagen für jeweils ungefähr drei Stunden statt. Für die Auswertung wurden die Protokolltexte codiert und anschließend Kategorien gebildet.

Ergebnisse

Anhand der Faktorenanalyse konnten vier Personengruppen von Nutzer*innen identifziert werden. Aus der Analyse geht hervor, dass Geschlecht und Alter nicht relevant für die Typisierung sind.
„Interessierter Anrainer“: Sind ortsansässig und suchen vermehrt die Plätze auf. Kennen den Verein <rotor> und die Kunstobjekte, aber sind nicht alle wegen den Kunstobjekten hier. Die Kunstobjekte laden zum Verweilen ein und fördern das soziale Zusammenleben. Die Nutzerinnen sehen die Kunstobjekte als große Aufwertung des Platzes.
„Desinteressierte Anrainer“: Sind ortsansässig und befnden sich vermehrt an den Plätzen.
Kennen den Verein <rotor> und die Kunstobjekte nicht und sind der Meinung, dass die Kunstobjekte
nicht zum Verweilen einladen. Sie stehen dem Kunstobjekten eher negativ gegenüber.
„Mäßig interessierte Anrainer“: Sind ortsansässig, aber suchen die Plätze seltener auf. Kennen den Verein <rotor> , aber die Kunstobjekte nicht. Auf sie wirken die Kunstobjekte eher einladend. Im Gesamten sehen sie aber eher eine mittlere soziale und allgemeine Aufwertung.
„Nicht ortsansässig, mäßig interessiert“: Passieren eher die Plätze und sind weniger aus der Umgebung. Kennen und die Kunstobjekte nicht. Auf sie wirken die Kunstobjekte eher einladend. Im Gesamten sehen sie aber eher eine mittlere soziale und allgemeine Aufwertung. Die folgenden Diagramme veranschaulichen die zwei aussagekräftigsten Fragen aus dem Fragebogen und verdeutlichen die Relevanz der Kunstobjekte für die Bereicherung des sozialen Zusammenlebens.

Anhand der Beobachtung konnten Rückschlüsse auf das Verhalten und das Zusammenleben der Menschen im sozialen Raum festgestellt werden. Viele nutzten die Kunstobjekte am Marien- und Lendplatz zum Verweilen in der Mittagspause, zum Jausnen und Kaffeetrinken. Am Lendplatz haben sich in den Abendstunden vermehrt jüngere Menschen für gemeinschaftliche Aktivitäten zusammengefunden – Zusammensitzen, Biertrinken und Feiern. Im Gegensatz dazu wurde das Kunstobjekt am Marienplatz abends lediglich als Sitzgelegenheit genutzt, um beispielsweise auf den Bus zu warten. Aus den Beobachtungen geht hervor, dass die Kunstinstallation am Lendplatz
eher als die am Marienplatz als soziale Aufwertung aufgefasst wird und das soziale Zusammenleben fördert. Durch die schattige Lage und die freundliche Atmosphäre wirkt diese sehr einladend und als Bereicherung des Platzes, wodurch sie von vielen Personen genutzt wird. Weiters konnte festgestellt werden, dass die Kunstobjekte vorwiegend als Sitzgelegenheit dienten und kaum die anderen Nutzungsmöglichkeiten ausgeschöpft wurden (z.B. Gärtnern).

Literatur:
Ansorge, U.; Leder, H. (2011): Wahrnehmung und Aufmerksamkeit. 1. Au. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
Bading, C. et al. (2018): Triangulation und mixed methods. In: Wintzer, J. (Hg.): Sozialraum erforschen: Qualitative Methoden in der Geographie.
Berlin: Springer Spektrum, S. 119-211.
Meier Kruker, V.; Rauh, J. (2016): Arbeitsmethoden der Humangeographie. Norderstedt: Books on Demand GmbH.
Sahner, H. et al. (2014): Fragebogen: Ein Arbeitsbuch. 4. Au. Wiesbaden: Springer Fachmedien Wiesbaden.
Thierbach, C.; Petschick, G. (2014): Beobachtung. In: Baur, N.; Blasius, J. (Hg.): Handbuch Methoden der empirischen Sozialforschung.
Wiesbaden: Springer Verlag, S. 855 – 866.